Set-JettingSeit 1906 hat es in Buenos Aires dreimal geschneit. Netflix hat ein viertes Mal draus gemacht.
Das Zentralobservatorium der Stadt hat nur 1918, 1928 und 2007 Schnee verzeichnet. Dann kam El Eternauta, die Netflix-Serie von 2025 nach dem Comic von 1957, in dem eines Nachts tödlicher Schnee auf Buenos Aires fällt. Gedreht wurde an mehr als 35 Orten in der Stadt, darunter die Avenida General Paz, und die Crew machte die Fußspuren im Kunstschnee mit Küchensalz. Eine zweite Staffel ist in Arbeit.
Augen aufBietet dir ein Fremder an, Senf von deiner Jacke zu wischen: weitergehen.
Es ist ein Trick aus Buenos Aires, den das britische Außenministerium bis heute beschreibt: Jemand bespritzt dich mit Senf, ein hilfsbereiter Passant bietet an, ihn abzuwischen, und ein Komplize verschwindet mit deiner Tasche. Lehn höflich ab und geh weiter. Dieselben Hinweise warnen, dass Handys auf der Straße aus der Hand gerissen werden, schau also im Café auf die Karte, nicht am Bordstein.
Ungeschriebene RegelnSag gracias erst, wenn du genug Mate hattest.
Mate wird geteilt: eine Kalebasse, ein Metallröhrchen, ein Gastgeber — der cebador —, der aufgießt, sie reihum weiterreicht und jedes Mal leer zurückbekommt. Beweg die bombilla nicht, und sag nach deiner ersten Runde nicht danke: gracias heißt, dass du fertig bist. Hältst du die Kalebasse zu lange fest, erinnert dich jemand daran, dass sie kein Mikrofon ist.
Streit ums EssenDulce de Leche ist argentinisch, sagt Argentinien. Die Akten sehen das anders.
2003 versuchte Argentinien, Dulce de Leche zu seinem Kulturerbe erklären zu lassen, und Länder in ganz Süd- und Mittelamerika protestierten. Schlimmer noch: Zollunterlagen zeigen, dass manjar, wie die Chilenen es nennen, 1693 und 1712 aus Chile nach Argentinien verschifft wurde, und ein argentinischer Historiker führt es auf das koloniale Chile zurück. In einem Alfajor ist das alles egal.
Steile TheseLass die Tango-Dinnershow aus. Geh in eine Milonga.
Die Dinnershows sind Theater. In der Milonga tanzt Buenos Aires, meist zu Aufnahmen aus den 1930er- bis 1950er-Jahren. Man fragt nicht laut: Eine Aufforderung ist ein Blick und ein Nicken, der cabeceo, und wer Ja sagt, verpflichtet sich für die ganze tanda aus drei oder vier Stücken. Die UNESCO hat den Tango 2009 gemeinsam für Argentinien und Uruguay in ihre Liste aufgenommen.